Abolitionismus entstand aus Bewegungen die sich im 18. und 19. Jahrhundert für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Heute ist umstritten, in welchem Verhältnis moralische Überzeugungen und ökonomische Interessen als Motive des historischen Abolitionismus standen.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff zudem im Zusammenhang mit der Forderung nach der Abschaffung staatlicher Regulierung und Kontrolle der Prostitution verwendet.
Seit 1970 entwickelte sich insbesondere in den USA, Skandinavien und Deutschland eine weiter gefasste abolitionistische Strömung. Sie richtet sich gegen Formen staatlicher Herrschaft und institutioneller Gewalt, insbesondere gegen rassistische Gewalt sowie Übergriffe und Sanktionen durch Polizei, Justiz und Strafvollzug. Im Mittelpunkt steht die Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen soziale Probleme durch Kontrolle, Bestrafung und Ausschluss bearbeitet werden. Stattdessen wird nach Formen des Zusammenlebens gesucht, die auf sozialer Sicherheit, Teilhabe, Unterstützung und der gleichberechtigten Verfügung über gesellschaftliche Ressourcen beruhen. Heute wird Abolitionismus insbesondere im Zusammenhang mit der Kritik an Polizei, Gefängnissen, Strafsystemen und anderen Institutionen sozialer Kontrolle diskutiert. Dabei geht es nicht allein um die Abschaffung einzelner Institutionen, sondern auch um die Frage, welche gesellschaftlichen Funktionen diese Institutionen erfüllen und welche Alternativen an ihre Stelle treten können. Abolitionistische Ansätze fragen beispielsweise, wie auf Gewalt, Konflikte, Armut oder psychische Krisen reagiert werden kann, ohne primär auf Überwachung, Bestrafung oder Freiheitsentzug zurückzugreifen.
Abolitionistisches Handeln beschreibt in diesem Zusammenhang eine politische und soziale Praxis, die bestehende Formen von Kontrolle und Ausschluss kritisch hinterfragt und gleichzeitig konkrete Alternativen entwickelt. Dazu können beispielsweise solidarische Unterstützungsstrukturen, gemeinwesenorientierte Konfliktbearbeitung, soziale Versorgung oder Ansätze der transformativen bzw. wiederherstellenden Gerechtigkeit gehören. Abolitionistisches Handeln verbindet somit die Kritik an bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnissen mit dem Aufbau anderer Formen des Umgangs mit Konflikten und sozialen Problemen. Ziel ist es, Bedingungen zu verändern, unter denen Gewalt, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit entstehen, anstatt diese ausschließlich staatlichen Sanktionen zu überlassen.